Die Bedeutung tibetischer Skulpturen und Ritualgegenstände
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3. Zu den Bodhisattvas (skt: sangha) zählen direkte Schüler Buddhas wie Avalokiteshvara, Manjushri und Vajrapani. 4. Im Diamantweg enthält der Zufluchtsbaum auch die Lehrer (tib: lama), dargestellt durch große Meister des indischen Buddhismus des 8. bis 12. Jh., durch Padmasambhava als Begründer des Tibetischen Buddhismus im 9. Jh. und durch die Lehrer der vier tibetisch- buddhistischen Schulen. Da die Lehrer für die Weitergabe der Meditationserfahrung verantwortlich sind, werden sie ins Zentrum des Baumes gestellt. 5. Die schon anfangs erwähnten Buddha- Aspekte heißen auf tibetisch Yidams. |
6. So genannte Schützer (tib: gonpo) beseitigen äußere wie auch geistige Hindernisse auf dem buddhistischen Entwicklungsweg. Ihre kraftvoll schützende Erscheinungsform drückt tatkräftiges Mitgefühl für alle Wesen aus.

Die Wurzeln der tibetischen Statuenherstellung gehen auf Vorlagen aus Indien zurück, die sich auf Beschreibungen des Aussehens der Buddha- Aspekte in buddhistischen Mediationsanweisungen (skt: sadhanas) stützen. Die beiden bekanntesten Sadhana- Sammlungen wurden von dem Inder Abhayakaragupta im 11. Jahrhundert zusammengestellt.
Buddha- Statuen stellen den historischen Buddha und Buddha- Aspekte mit Symbolen ihrer Vollkommenheit dar: So soll zum Beispiel Buddha der Legende nach eine goldene Hautfarbe gehabt haben, die sich in der Vergoldung vieler Statuen wiederspiegelt.

Die einmalige Ausstellung tibetischer Kunst besteht grundlegend aus zwei Teilen. Einen Teil der Sammlung stellt die Familie des im Jahr 2000 verstorbenen Diplomaten und praktizierenden Buddhisten Johann- Jürgen Blomeyer zur Verfügung. Der andere Teil stammt von vielen Buddhisten und buddhistischen Zentren der Karma Kagyü Linie aus ganz Europa .
Johann- Jürgen Blomeyers wurde 1912 in Japan geboren. Schon sein Vater besaß Buddha- Statuen, die den kleinen Johann faszinierten. Nach seinem Jurastudium an der Universität Jena und dem Ende des 2. Weltkriegs lernte er Hindi und Sanskrit in Bonn. 1951 trat er dem diplomatischen Dienst bei, der ihn nach London, Neuseeland, Washington DC und Ägypten führte. Ab 1960 sammelte er systematisch Statuen und Ritualgegenstände und trug nach seiner Pensionierung viele wichtige Statuen aller buddhistischen Traditionen zusammen. Er starb im Dezember 2000 im Alter von 88 Jahren. Seine beiden Kinder Gerald R. Blomeyer und Dr. Karin Stolley erbten die Sammlung und stellen sie nun erstmals der Öffentlichkeit vor.
Die Exponate stammen aus unterschiedlichen Kulturen und Stilepochen: Die älteste Statue, ein indischer Buddha, gehört zur Gandhara- Epoche (1.- 3. Jh. n. Chr.). Gezeigt werden auch ein Hevajra aus der kambodjanischen Angkor- Periode (12.- 13. Jh.), ein Medizin- Buddha aus der indischen Pala- Dynastie des frühen Mittelalters (14. Jh.) und mehrere rund dreihundert Jahre alte Skulpturen aus Nepal und Tibet, hauptsächlich im von Indien und Nepal beeinflussten Beri- Stil. Ein großer Teil der Exponate wurde zwischen Ende des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts in Tibet hergestellt. Auch die Ritualgegenstände sind teilweise mehr als zweihundert Jahre alt und aus kostbaren Materialien gefertigt. Darunter befinden sich Diamantzepter (skt: vajra tibetisch: dorje), Glocken, Haumesser, Schädelschalen und Ritualdolche (skt: kila; tib: phurba), teilweise aus Kristall oder vergoldet, mit Edelsteinen verziert und in vielfältiger Weise bemalt. |
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Tibetische Bildhauer gossen ihre Statuen aus verschiedenen Metalllegierungen. Am verbreitetsten waren das Wachsgießen und die Treibarbeit, also das Hämmern und Formen. Die meisten kleineren Statuen wurden in Schmelzwachs- Technik oder nach der Methode der „verlorenen Form“ gegossen: Dabei wird ein Wachsmodell über einem Tonkern geformt und mit einem Gussmantel aus Ton bedeckt. Dann wird flüssige Bronze oder Kupfer zwischen den Kern und die ausgeformte Hohlform gegossen, wo es das schmelzende, durch Abzugsöffnungen abfließende Wachs verdrängt. Schließlich schlägt man den äußeren Tonmantel ab und behandelt die rohe Figur so lange nach, bis sie ihr endgültiges Aussehen erreicht. Der künstlerische Gesamteindruck hängt vor allem von der abschließenden Feinbearbeitung, dem Polieren, Gravieren, Bemalen und Einsetzen von kostbaren Metallen oder Steinen ab. Viele Statuen werden vergoldet.

Buddhist Sculptures in Tibet von Ulrich von Schroeder
Visual Dharma Publ. Hong Kong 2001
Deities of Tibetan Buddhism von Martin Willson und Martin Brauen
Wisdom Publ. Boston 2000


